Drängt mir eure Meinung auf, na los. ;)
Meermädchen
Sie seufzte traurig. Eine kleine Weile stand sie am Fenster, den Brief in der Hand und blickte auf die Landschaft, die sich vor ihr ausbreitete. Langsam zogen Wolken auf und es fing an zu regnen. Eine einzelne Träne rann zwischen ihren dunklen Wimpern hervor.
Der Regen trommelte weiter gegen das Glas, das sie vor den Launen der Natur schützte, wie tausende Finger, die verzweifelt um Einlass baten.
Sie schloss die Augen, ihre langen Wimpern streichelten ihre Wangen, und eine letzte, kleine Träne trat zwischen ihnen hervor.
Als sie die Augen wieder öffnete, drehte sie sich um und verschwand leise aus dem Zimmer. Sie machte sich nicht die Mühe, einen Mantel anzuziehen, als sie vor die Tür des Hauses trat und sich dem strömenden Regen aussetzte. Ohne zu zögern lief sie den Weg entlang, während der der Wind wütend gegen sie ankämpfte und ihr dünnes, weites Kleid hinter ihr her flatterte wie eine Fahne.
Es war nicht weit bis zum Strand, schon bald konnte sie trotz dem Heulen des Windes die Wellen ans Ufer rollen hören.
Langsam und leichtfüßig, während der Sturm um sie herum tobte, ging sie auf ein kleines Boot zu. Das Tau stieß gegen den Metallpfosten, der mitten aus dem dunklen Sand hervorragte und an dem das Boot festgebunden war, und erzeugte ein dumpfes Geräusch.
Hier, am Strand, in unmittelbarer Nähe des Meeres, war die Geräuschkulisse noch beeindruckender.
Zielstrebig rannte sie durch den nassen Sand auf das kleine, schaukelnde Boot zu und versuchte mit klammen Fingern, den Knoten zu lösen.
Der Regen prasselte auf sie herab und erzeugte klatschende Geräusche, die mit dem Rauschen des Meeres zu einem einzigen Hintergrundgeräusch verschwammen.
Das Seil wurde schlaff und klatschte ein letztes Mal gegen den Pfosten, bevor sie die kleine Schaluppe weiter aufs Meer hinausschob und dann selbst hinein kletterte.
Sie wurde sofort von den Wellen erfasst und immer weiter auf die stürmische See hinaus getrieben.
Furchtlos saß sie im Boot, das von den gewaltigen Wellen wie eine Nussschale hin und her geworfen wurde, während ihr nasses Haar hinter ihr her wehte. Wellen schlugen über dem Boot zusammen, doch noch trotzte es dem Meer und wehrte sich gegen das Unvermeidliche.
Einen kurzen Augenblick lang flammte in ihrem Kopf Hoffnung auf, Hoffnung darauf, dass das Leben auch so weitergehen könnte, doch sofort wurde ihr klar, dass es unmöglich war.
Ein letztes Mal stürzten die Wolkenberge über dem Boot zusammen, dann war es verschwunden.
Bis bald. Ich liebe dich, dachte sie, dann versank alles in Dunkelheit.
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